Die Vorsilbe „Bio“ steht für eine Herkunft aus ökologischem Landbau, bei dem die Senkung des Resourcenverbrauchs und die Vermeidung von Umweltverschmutzung im Vordergrund stehen. Auch die Artenvielfalt und das Landschaftsbild sollen dadurch positiv beeinflusst werden. In der ökologischen Tierhaltung stehen der Tierschutz, die artgerechte Haltung und möglichst angepasste regionale Rassen im Vordergrund. Eine extensive Haltung mit Vermeidung langer Transporte wird ebenso vorgeschrieben, wie Art und Herkunft des Futters.

Seit der ersten EU-Ökoverordnung aus dem Jahr 1999 existiert ein europaweit gültiger Mindeststandard für Bioprodukte, deren Produktion und deren Kontrolle. Heute hat die VO (EG) Nr. 834/2007 mit ihren Durchführungsbestimmungen VO (EG) Nr. 889/2008 Gültigkeit. Darüber hinaus haben die einzelnen Ökoverbände wie Bioland, Demeter und Naturland in unterschiedlichen Bereichen weitergehende Forderungen aufgestellt. Diesen müssen sich die Verbandsmitglieder unterwerfen, um das gemeinsame Warenzeichen führen zu dürfen.

Wie die vorangestellten Betrachtungen zur Rückstandsproblematik zeigen, ist Bienenhaltung nicht von sich aus ökologisch, auch wenn Bienen einen unbestritten wichtigen Beitrag zur Ökologie leisten. Am aufwendigsten bei der Umstellung auf Bioimkerei sind sicherlich die Erneuerung des Wachses und der Aufbau eines eigenen Wachskreislaufes. Darüber hinaus müssen alle Arbeiten an den Bienenvölkern, deren Standplätze, die Ernte, Verarbeitung und Lagerung kontinuierlich dokumentiert werden. Diese Aufzeichnungen werden zur Zertifizierung und während der jährlichen Audits aufmerksam geprüft. Dabei werden auch Honig- und Wachsproben analysiert.

Die Verordnung (EWG) Nr. 834/2007 über die ökologische oder biologische Produktion (Europäische Öko-Verordnung oder EG-Öko-Verordnung) definiert, wie Erzeugnisse und Lebensmittel, die als Öko-Produkte gekennzeichnet sind, erzeugt und hergestellt werden müssen. Nur Produkte, die mindestens die EG-Öko-Verordnung (EG-Öko-VO) erfüllen, dürfen die Begriffe Bio-, Öko-, biologisch, ökologisch, kontrolliert ökologisch, kontrolliert biologisch, biologischer Landbau, ökologischer Landbau, biologisch-dynamisch und biologisch-organisch verwenden
dürfen die Kennzeichnung Ökologische Agrarwirtschaft-EWG-Kontrollsystem, die Angabe der Nummer (z.B.: DE-034-Öko-Kontrollstelle) und des Namens der prüfenden Öko-Kontrollstelle verwenden (mindestens eines von beiden anzugeben, ist vorgeschrieben) dürfen ein Bio-Siegel und/oder den Namen und das Logo des Bio-Anbauverbands, dessen Mitglied sie sind, tragen.,



Die Mitgliedschaft in einem Bio-Anbauverband wie z.B. Bioland® oder Demeter® ist keine Voraussetzung für die Produktion von Biohonig. Es ist ausreichend, die Anforderungen der EU-Öko-VO zu erfüllen und dies durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle bestätigen zu lassen. Hierzu werden in der Regel jährliche Audits durchgeführt, aber es gibt auch unangemeldete Kontrollen.

Um daneben das Logo eines der bekannten Bioverbände führen zu dürfen, muss der Imker dort Mitglied sein und sich dessen Regelwerk unterwerfen. Selbstverständlich sind mit der Mitgliedschaft in einem Bioverband ebenso Kosten verbunden wie mit der jährlichen Zertifizierung, was neben den erhöhten Produktionskosten die höheren Preise für Biohonig rechtfertigt. Weitere  Kosten entstehen durch die Vorgaben bezüglich des Winterfutters. Die EU-Ökoverordnung erlaubt den Einsatz von Biozucker, dagegen fordern Bioland, Naturland und Demeter zumindest einen Anteil von Honig im Winterfutter. Die Forderung nach der Fütterung mit Biozucker soll auch ein Beitrag zum Klimaschutz sein. Der Anbau und die Verarbeitung von Zuckerrüben verbraucht große Mengen Energie und setzt damit viel klimaschädlichesohlendioxid frei, wobei in der konventionellen Landwirtschaft der größte Anteil auf die Herstellung und Verwendung von Mineraldünger und Pflanzenschutzmitteln entfällt. Durch Stickstoffdüngung kommt es im Ackerboden zur Freisetzung von Lachgas (NO2), welches den Treibhauseffekt verstärkt. Ökolandbau stellt damit trotz geringerer Flächenproduktivität eine geringere Belastung für unsere Umwelt dar (Bunsen 2010).


Vergleich der unterschiedlichen Anforderungen von EU Öko-VO und den einzelnen Verbänden (k. A: = keine Angabe; Quellen: Ritter 2009, 2010 und Bentzien 2006)

x) Das Wachs darf keine nachgewiesenen Rückstände von in der Öko-Produktion nicht zugelassenen Stoffen enthalten.

Damit ist unter dem Begriff „Öko-Produktion“ nicht nur die Bienenhaltung gemeint. Vielmehr dürfen alle in der ökologischen Tier- und Pflanzenproduktion nicht zugelassenen Mittel auch nicht als Rückstände im Honig auftreten. Im einmal auf „Öko“ umgestellten Betrieb sind besondere Überprüfungen des Wachses dann nicht mehr vorgesehen. Hier geht die EU Öko-VO davon aus, dass bei Einhaltung aller Bestimmungen wie Standort, Wachskreislauf und Varroabehandlungmittel keine Rückstände in das Wachs gelangen können (Ritter 2009).

Die Qualität des Honigs nimmt weder in der EU-Öko-VO einen besonderen Stellenwert ein noch in den Vorschriften der einzelnen Bioverbände. Sie gehen damit nicht über die Vorgaben der Honigverordnung hinaus wie beispielsweise in der Warenzeichensatzung des Deutschen Imkerbundes e. V. (DIB). Nur der DIB hat Qualitätsmaßstäbe (siehe Kapitel Qualitätsanforderungen an Honig) vorgegeben. Biohonig muss von gleicher Qualität sein wie konventioneller DIB-Honig, er wurde  aber unter strengeren Tierschutz- und Umweltauflagen produziert (Ritter 2010).

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass durch biologisches Imkern nicht zwangsläufig bessere Produkte erzeugt werden. Dennoch erscheinen Bestrebungen in Richtung einer ökologischen Bienenhaltung wichtig aufgrund der Verantwortung der Umwelt, den Mitgeschöpfen und nicht zuletzt den kommenden Generationen gegenüber. Eine stärkere Nachfrage der Verbraucher im Hinblick auf Bioprodukte schafft damit die Voraussetzungen für ein Umdenken in der Imkerei und in der Landwirtschaft insgesamt.

 

Literatur

  • Aumeier P. Die Würfel sind gefallen; ADIZ/db/IF 2008; 144 (10): 4-6
  • Bentzien C. Ökologisch Imkern, Einfach imkern nach den Regeln der Natur. Stuttgart (Franck-Kosmos) 2006; ISBN 13: 978-3-440-09546-1
  • Bunsen JD. Prima Klima? Auch beim Imkern an den Klimaschutz denken! ADIZ/db/IF 2010; 146(1): 14-15
  • Ritter W. Alles Bio oder was: Wie lassen sich Wachs sauber und Bienen gesund halten? ADIZ/dB/IF 2009; 145 (11): 10-11
  • Ritter W. Alles Öko oder was: Welche Betriebsweise wird den Bienen gerecht? ADIZ/db/IF 2010; 146 (4): 18-19
  • Ritter W. Alles Öko oder was: Wie züchtet der Bioimker und was darf er füttern? ADIZ/db/IF 2010; 146 (5): 10-11
  • Wallner K. Wie interpretiere ich das Ergebnis meiner Honiganalyse? ADIZ/db/IF 2008; 144 (3): 13 -15
  • Wallner 2008: Wallner Klaus; Wie interpretiere ich das Ergebnis meiner Wachsanalyse? ADIZ/db/IF 8/2008, S. 12-13

 

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