Wenngleich die einheitlichen Qualitätsanforderungen eindeutig zu befürworten sind, so hat der Verbraucherschutz vor Qualitätsminderungen und –täuschungen durch die Umsetzung dieser EU-Richtlinie auch eine Herabstufung erfahren. Die Filtration des Honigs ist nun zulässig. Die Bezeichnung "gefilterter Honig" muss aber erst dann auf dem Etikett erscheinen, wenn eine beträchtliche Menge Pollen durch die Filtration entfernt wurde. Es ist zu befürchten, dass es dem Abfüllbetrieb überlassen bleibt zu entscheiden, ob er auf dem Etikett die Bezeichnung "gefilterter Honig" angegeben wird oder nicht. Wer kann je feststellen, wie viel Pollen im Honig ursprünglich enthalten war oder ob bereits eine beträchtliche Menge oder ein erheblicher Anteil oder eben nur ein Anteil entfernt wurde? Dem Verbraucherschutz und den Interessen vieler kleiner Imkereibetriebe wurde diesbezüglich eine klare Abfuhr erteilt (Reitinger 2001).

Durch Filtration werden dem Honig die in natürlichem Honig immer enthaltenen Pollenkörner und andere Kristallisationskeime entzogen. Für die industrielle Honigverarbeitung hat dies den Vorteil, dass der Honig fast unbegrenzt flüssig bleibt und sich für Verkaufsgebinde wie Quetschflaschen eignet. Der Anteil an Pollen im Honig ist aber auch entscheidend für dessen Wertigkeit, den Hauptanteil der Vitamine, die verschiedenen Eiweißbausteine, die Flavonoide und andere Substanzen. Weiterhin ist er entscheidend für die Bestimmung der geographischen und floralen Herkunft des Honigs. Ohne Pollen kann nicht mehr ermittelt werden, von welchen Pflanzen der Nektar stammt und um welche Honigsorte es sich handelt. Hochwertige Honigsorten können so durch billige filtrierte Honige gestreckt werden, ohne dass dies erkannt werden kann.

Eine Ultrafiltration von Honigen wird seit Jahren in China genutzt, um Antibiotikarückstände, vor allem Chloramphenicol, aus dem Honig zu entfernen. Bei diesem Prozess, bei dem Aktivkohle als Adsorptionsmittel eingesetzt wird, werden dem Honig auch viele andere honigeigene Bestandteile entzogen. Beimischungen von ultrafiltriertem Honig lassen sich bisher nicht nachweisen, wodurch die ehrlichen einheimischen Imker und Abfüller, die ein hochwertiges Produkt erzeugen, geschädigt werden (FEI 2007). Vergleichende Untersuchungen filtrierter und unfiltrierter Honige ergaben, dass nicht nur das Pollenspektrum, sondern auch die Enzymaktivitäten, vor allem die der Saccharase, durch einen derartigen Prozess beeinflusst werden. Der Gesamtproteingehalt des Honigs nimmt jedoch nicht ab. Durch Gelchromatographie der Sacharase und densitometrischer Auswertung kann filtrierter Honig im Gesamterzeugnis ab einem Zusatz von 25 % nachgewiesen werden (Beckmann 2009).

Die Enzymaktivität im Honig trägt zu seiner keimtötenden und wundheilungsfördernden Wirkung bei. Eine Herabsetzung zum Beispiel der Glucoseoxidaseaktivität (GOX) durch Ultrafiltration, bei der der zu filtrierende Honig erst verdünnt und später wieder dehydratisiert wird, könnte negative Folgen bei der medizinischen Anwendung haben. Es konnte weiterhin gezeigt werden, dass durch eine Ultrafiltration dem Honig viele Inhaltsstoffe entzogen werden. Hierzu zählen die Flavonoide und die Phenolcarbonsäuren (Trautvetter 2007). Bei der Anwendung von Honig zu Heilzwecken sind sie von Bedeutung, da die Flavonoide für einen Anzahl von gesundheitsfördernden Eigenschaften verantwortlich gemacht werden. Auf solche Weise denaturierter Honig wäre somit wirkungsvermindert, wenn nicht gar wirkungslos.
Trotz neuer Methoden wird es weiterhin schwer sein, solche Honigverfälschungen aufzudecken und sowohl den Verbraucher als auch die einheimischen Honigerzeuger zu schützen. Diese nur schwer auszumachenden Qualitätsmängel sind ein Grund dafür, dass deutsche Honige den meist preiswerteren Importen aus dem Ausland vorgezogen werden.

Der Pro-Kopf-Verbrauch von Honig in Deutschland liegt mit 1,4 kg jährlich höher, als in jedem anderen Land. Nur ein Viertel des Gesamtverbrauches von ca. 100.000 Tonnen wird von einheimischen Imkern erzeugt. Der restliche Honig wird aus dem Ausland eingeführt. Honigverschnitte sind aufgrund der großen Preisunterschiede zwischen bestimmten Sorten wirtschaftlich von großer Bedeutung.

Meine Empfehlung: kaufen Sie Ihren Honig beim Imker vor Ort und nicht im Discounter. Er steht hinter seinem Produkt, bürgt für Qualität und steht Ihnen jeder Zeit Rede und Antwort.

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