Die Bienenwabe und das darin enthaltene Wachs sind mehr als eine Brutaufzuchtstätte, ein Zwischenlager für Honig und Pollen oder ein Sitzplatz für Bienen. Bienenwachs kann aufgrund seiner besonderen Eigenschaften Substanzen aufnehmen und auch wieder abgeben. Dies wurde bei Wirkstoffen aus dem Bereich der Wachsmottenbekämpfung, der Varroabekämpfung und bei einem Bienenabwehrspray eindeutig nachgewiesen. Bienenwachs speichert und konserviert diese und viele andere Wirkstoffe. Ein Abbau der Wirkstoffe im Wachs findet nicht statt. Im Gegenteil, die Wirkstoffe reichern sich bei häufiger Benutzung langsam im Wachskreislauf (Wabe-Mittelwand-Wabe) an und sind dann auch im Honig, Bienenbrot oder Larvenfutter nachweisbar (Wallner 2008).

„Sauberer Honig entsteht nur in sauberem Wachs“ postuliert Dr. Pia Aumeier von der Ruhruniversität Bochum. Sie lehnt daher die Anwendung von Bayvarol® und Perizin® strikt ab, denn anders als die organischen Säuren sind beide o. g. Produkte fettlöslich. Sie reichern sich im Wachs an und kontaminieren über das Wachs dann nicht nur den Honig, sondern auch wieder die Bienen. Diese tragen die Wirkstoffe dann auch in frisch ausgebaute Honigraumwaben, die zum Zeitpunkt der Behandlung noch gar nicht im Bienenstock waren.

Bienen verteilen fettlösliche Varroazide über umgetragenes Winterfutter, über umgetragenes Wachs (volkseigen/fremd), über Haut und Haarkleid, über Haftplättchen an den Füßen und über Ausschwitzen von kontaminiertem frischen Wachsplättchen nach Aufwachsen in kontaminierten Zellen. Wie hoch der Anteil an umgetragenem Wachs bei von den Bienen frisch gebauten Waben ist, zeigt Dr. Klaus Wallner von der Universität Hohenheim sehr eindrücklich anhand von Gegenlichtaufnahmen und dem Gewichtsvergleich von Mittelwand und ausgebauter Wabe  Bienen knabbern das Wachs der Mittelwände bis auf eine hauchdünne Schicht ab und modellieren mit diesem Wachs etwa 2/3 der Zellwände. Das Wachs der Mittelwände bestimmt daher entscheidend die Qualität der entstehenden Wabe (Wallner 2008).


Mittels Gegenlicht-Aufnahmen mit der Komplementärfarbe zum Wachsgelb
(Blaulicht) lässt sich zeigen, dass die Bienen die Mittelwände am Zellgrund
abschaben. Im linken Bereich, wo die Zellwände schon höher ausgezogen
sind, scheint das Licht stärker durch.


Diese fettlöslichen Wirkstoffe der synthetischen Varroacide werden bei der Wachsumarbeitung nicht zerstört, und der Verdünnungseffekt durch frisch gebautes Wachs gleicht die Neubelastung nicht aus. Dadurch kommt es zu stetig steigenden Konzentrationen dieser unerwünschten Substanzen im Wachs. Die kontinuierliche Konfrontation der Varroamilben mit dem Varroacid wird als Hauptursache für die mittlerweile weit verbreiteten Resistenzen angesehen. Im Jahr 2008 waren ca. 33% aller Wachsproben in Deutschland mit bis zu 10 mg / kg Perizin®-Rückständen belastet. Damit der Wirkstoff Coumaphos in den Honig diffundiert, bedarf es nur einer Konzentration von 1 mg / kg im Wachs, also gerade mal ein Zehntel der gemessenen Werte. Das führt dazu, dass in jedem sechsten untersuchten deutschen Honig Coumaphos-Rückstände gefunden werden (Aumeier 2008).

 

Bienen verteilen fettlösliche Varroacide (Abb. Pia Aumeier 2011).

Da der zunehmenden Wirkungslosigkeit eine ständig rückläufige Benutzung dieser synthetischen Varroacide folgt, könnte man annehmen, dass sich die Rückstandsprobleme dadurch auch erübrigen. Dies ist jedoch weit gefehlt. So ist Folbex VA Neu®, das seit 1992 nicht mehr benutzt wird, über den Kreislauf der zugekauften Mittelwände heute immer noch in jeder zehnten Wachsprobe zu finden. Da auch die Wachsschicht an der Beuteninnenwand kontaminiert ist (Aumeier 2008) sollte diese vor einer Umstellung auf Biowachs durch Kunstschwarmbildung mit Natronlauge ausgekocht werden. Abflämmen beseitigt die Rückstände nicht, sondern treibt nur die Substanzen noch tiefer ins Holz der Beute. Auch andere vom Imker angewandte Substanzen wie Imker-Globol® zur Wachsmottenbekämpfung, Fabi-Spray® und Nelkenöl als Repellents statt Rauch stellten in der Vergangenheit eine kontinuierliche Belastungsquelle für Wachs und Honig dar.
Für Rückstände im konventionellen Honig gibt es gesetzlich vorgeschriebene Höchstmengen für pharmakologisch wirksame Stoffe, die in der Rückstandshöchstmengen-VO (EG) Nr. 470/2009 genannt sind. Für Rückstände im konventionellen Wachs gibt es, im Gegensatz zum Honig, keine Höchstmengen.

Biohonig und Wachs aus biologischer Imkerei sollten per Definition gänzlich rückstandsfrei sein. Hierzu müssen Untersuchungen nicht nur auf zugelassene Varroacide und frühere Bienenmedikamente stattfinden, sondern auch auf möglicher Weise angewandte Pflanzenschutzmittel. Sie können über das Haarkleid der Bienen und über eingetragenen Nektar und Pollen in das Bienenvolk gelangen.

Seitdem der Mensch in allen Bereichen des Lebens synthetische Wirkstoffe herstellt und anwendet, gibt es auf diesem Planeten keine rückstandsfreien Lebensmittel mehr. Es sei alles nur eine Frage, wie genau wir diese Messen können, behauptet Dr. Klaus Wallner von der Universität Hohenheim. Da Rückstände das Image des Lebensmittels Honig beschädigen und es nicht möglich ist, alle Verbraucher umfassend über die Bedeutung von Höchstgrenzen, Bestimmungsgrenzen und Nachweisgrenzen aufzuklären, ist es am sichersten, Honige mit nicht nachweisbaren Rückständen zu erzeugen. Dieses Ziel verfolgen auch die Ökoverbände. Sie bauen ihre Richtlinien so auf, dass ein Imker, der sich an diese Spielregeln hält, mit hoher Wahrscheinlichkeit Honige ohne nachweisbare Rückstände produziert (Wallner 2008).

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