Kaninchen können bis zu 15 Jahre alt werden. Wichtigste Voraussetzung hierfür sind gesunde Zähne. Oft unbekannt: Nicht nur die gut sichtba­ren Vorderzähne, auch die Backenzähne dieser Kleinsäuger wachsen 2 cm (!) in nur 3 Monaten.

Einzig durch ein gleichmäßiges Abschleifen beim stundenlangen Zermahlen von faserreichem Heu behalten die Tiere eine ebene, glatte Zahnfläche.

Weiches Gemüse, Obst, Gras oder gar Fertigfut­ter dagegen wird oft mehr gelutscht als gekaut. So nutzen sich die Zähne nicht mehr gleichmäßig ab und bald bleiben an den Zahnrändern kleine, messerscharfe Spitzen stehen. Wird dies nicht rechtzeitig bemerkt, entstehen schmerz­hafte Druckstellen und entzündete Wunden an der Zunge und den Wangen, die Kaninchen oder Meerschweinchen natürlich vom Fressen abhalten.

Die Folge: vereiterte Backenzähne, eitrige Augen durch die in Mitleidenschaft gezogenen Tränenkanäle oder auch der frühe Hungertod. Sind erstmal Zahnspitzen entstanden, müssen die Zähne genauer untersucht, eventuell auf einem Röntgenbild vermessen und wieder funktionsgerecht geschliffen werden.

Handelsübliches Fertigfutter ist nicht nur die Hauptursache für Zahnprobleme, es ist häufig auch verantwortlich für Störungen der Darmflora und Durchfall. Ideal ist deshalb eine Ration, die zu 80 % aus Heu und zu 20 % aus frischem Grün (auch Salat und Gemüse) besteht. Auf getreidehaltiges Trockenfutter sollten Sie besser verzichten.

Schlecht zerkleinertes Futter kann im Verdauungstrakt des Kaninchens nicht verwertet werden. Beginnende Zahnprobleme zeigen sich also anfangs nicht nur durch vermehrtes Speicheln oder eine Veränderung der Kotballen, sondern vor allem durch eine Gewichtsabnahme. Kaninchen sind, auch wenn sie ausschließlich in der Wohnung gehalten werden, zusätzlich durch von Stechmücken übertragene Krankheiten (Myxomatose, RHD) gefährdet.

Zeigt ein Kaninchen Krankheitssymptome, darf nicht mit dem Tierarztbesuch gewartet werden, denn auch z. B. harmlos erscheinender Durchfall wird für diese Tiere schnell lebensbedrohlich. Je nach Ursache helfen die Darmflora stabilisierende Zusätze oder Faser reiche Ergänzungsfuttermittel aus der Tierarztpraxis, bestimmte Antibiotika oder auch Medikamente gegen Parasiten oder Hefepilze, das Problem in den Griff zu bekommen. Manchmal muss auch operiert werden. Verweigert ein Kaninchen oder Meerschweinchen gar schon die Nahrung, muss mit einer tierärztlichen Spezialkost zugefüttert werden.

Kaninchen leiden leise, denn als "Beutetiere" dürfen sie in freier Natur nicht als krank auffallen. Schon kleinste Krankheitsanzeichen sind deshalb immer ein Anlass, möglichst am selben Tag noch eine Tierarztpraxis aufzusuchen. Gute Beobachtung durch den Tierhalter und engmaschige tierärztliche Betreuung sichern auch kleinen Heimsäugetieren ein immer längeres Leben.

Checkliste für die verantwortungsolle Heimtierhaltung:

  • 1 x wöchentlich wiegen, Gewicht notieren und vergleichen
  • 1 x täglich Maul auf Speichel und Hinterteil auf Durchfallspuren und Fliegenmaden kontrollieren
  • 1 x wöchentlich Kontrolle der Vorderzähne
  • Mindestens alle 3 Monate tierärztliche Kontrolle der Backenzähne mit Spezialinstrumenten
  • Bei Kaninchen: Alle 6 Monate Impfung gegen Myxomatose und RHD

(Quelle: bpt, SMILE Initiative gesunde Tierliebe)

 

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