Angst und Verunsicherung bei Eltern und Kindern

In einer Grundschule im Kreis Marburg-Biedenkopf sind eine Lehrerin und 2 Viertklässler an einem Hautpilz erkrankt. Grund genug für Ängste und Sorgen bei Mitschülern und Eltern und für eine umfangreiche Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahme durch den Landkreis, wie die Oberhessische Presse am 26. Februar 2015 berichtet.

Sind Sorgen und Panik an dieser Stelle gerechtfertig? Wir meinen nein, denn Hautpilzerkrankungen kommen bei den Patienten unserer Tierarztpraxis gelegentlich vor und sind ebenso wie Würmer und Bakterien auf den Menschen übertragbar. Richtig informiert kann man sich vor diesen Krankheiten schützen.

Erreger einer Hautpilzerkrankung

Die meisten Hautpilzerkrankungen unserer Haustiere werden durch Microsporum- und Trichophytonarten verursacht. Diese Pilze befallen nur die verhornten Teile der Haut und die Haare. Die Infektion erfolgt von Tier zu Tier, Tier zu Mensch, Mensch zu Mensch und ebenso über mit Haaren oder Pilzsporen kontaminierte Gegenstände (z.B. Kämme, Bürsten, Decken u.v.m.). Dabei ist von Bedeutung, das die Pilzsporen über ein Jahr infektiös bleiben können.

Hautpilzherde am Kinn

Von dem Katzenpilz zu sprechen ist eine ungerechtfertigte Verunglimpfung der Katzen. In der medizinischen und tiermedizinischen Fachliteratur kommt dieser Begriff nicht vor. Dies liegt daran, dass andere Tiere ebenso oft von Hautpilzinfektionen betroffen sind. So kommen solche Dermatophytosen regelmäßig auch bei Pferden, Rindern, Hunden und Meerschweinchen vor. Auch Kaninchen, Ratten und Mäuse können Träger und somit Überträger von Hautpilzen sein.

Dass die Katze unter Generalverdacht gestellt wird, mag daran liegen, dass Katzen und hier im Besonderen Langhaarkatzen oft ohne Symptome an einem Hautpilz erkranken. Das heißt, man sieht es ihnen nicht an und doch haben sie die Sporen an und in den Haaren. Würde ein Hund haarlose, teils krustige Hautveränderungen am Körper haben und sich darüber hinaus auch noch auffällig kratzen, ist es fast selbstverständlich, dass der Besitzer und weitere Kontaktpersonen vorsichtig sind, sich nach Kontakt die Hände waschen und den Tierarzt einschalten. Kann man die Pilzinfektion bei der Katze aber nicht erkennen, hat der Mensch keinen Anlass, sich zu schützen und das Tier behandeln zu lassen. Im Zweifelsfalle kann ein Tierarzt mit einem Labortest den Nachweis führen und die Katze auch entsprechend behandeln. Es gibt eine Impfung gegen die Pilzinfektion des Tieres. Diese beseitigt den Pilz bei befallenen Tieren und schützt nicht befallene Haustiere vor einer Ansteckung.

Im Falle der Pilzinfektion zweier Schüler/innen und einer Lehrerin in der Grundschule in Mengsberg ist es durchaus ausreichend, dass ein Kind sich an seinem Haustier angesteckt hat und den Pilz dann per Handschlag in der Schule weitergereicht hat. Da die Infektiöse Substanz die Haare befallener Tiere sind und Tierhaare im Schulgebäude wohl weniger häufig anzutreffen sind, bleibt abzuwarten, ob eine aufwändige Reinigung und Desinfektion wirklich zielführend ist. Es ist zu bedenken, dass Tierkontakte im Reitstall oder eben mit den eigenen Haustieren oder denen der Freunde jederzeit wieder zu einer Einschleppung der Hautpilzinfektion führen können.

Aus eigener Erfahrung ist so ein Hautpilz harmlos, kommt selten vor und ist mit einer entsprechenden fungiziden Salbe leicht zu behandeln. Kein Anlass, aus Sorge seinem Kind den Kontakt zu Tieren einzuschränken. Sein Haustier gegen Hautpilze zu impfen ist eine einfache Maßnahme Mensch und Tier zu schützen.

Ablauf der Infektion und Symptome:

Der auf die Haut gelangte Pilz befällt zunächst die abgestoßenen Keratinschichten der Haut (tote Hornhautschuppen) und gelangt innerhalb von zwei Tagen bis in die Haarfollikel (Haarbalg, der die Haarwurzel enthält). Im Bereich des Haarfollikels entsteht eine entzündliche Schwellung (Ödem). Die Haare verlieren ihre mechanische Widerstandskraft und brechen an der Hautoberfläche ab. Typisch für das klinische Erscheinungsbild sind kleine gerötete, juckende, haarlose Stellen, die sich ringförmig (Ringflechte) oder flächenhaft und mehr oder weniger kreisrund und scharf begrenzt ausbreitet. Treffen mehrere dieser Stellen aufeinander, können bizarre, „landkartenartige“ Bilder entstehen. Besonders an den Rändern entsteht durch eine entzündliche Reaktion der Haut gegen Stoffwechselprodukte der Pilze ein geröteter Wall (infektiöse Zone), während im Zentrum eine stärkere Pigmentierung der Haut mit Schuppenbildung zu sehen ist, oft sind bereits nachwachsende Haare zu erkennen (abheilende Zone).

Eine Pilzinfektion kann bei Tieren aller Altersgruppen auftreten, allerdings erkranken Jungtiere häufiger und dann in der Regel auch schwerer als erwachsene Tiere. Besonders begünstigt wird die Infektion durch ein geschwächtes Immunsystem (z. B. Vorliegen einer Viruserkrankung, schlechte Ernährung, Stress durch Trächtigkeit oder Laktation).


verdächtige Hautveränderung bei der Katze

Vielfalt der Erreger und Überträger

Bei der Dermatomykose handelt es sich um eine hoch ansteckende Krankheit. Durch die parasitären Haarfragmente ist eine Übertragung auf gesunde Menschen und Tiere möglich. Prof. Dr. P. Nenoff, beschreibt in der medizinischen Fachzeitschrift „Der Hautarzt“, dass Dermatomykosen infolge Kontaktes zu Haus- und Nutztieren häufig Kinder und junge Erwachsene betreffen.

Die meist hochentzündlichen Dermatophytosen der freien Haut und Kopfhaut wurden ursprünglich meist durch Microsporum canis verursacht ("canis" ist lateinisch und bedeutet Hund und nicht etwa Katze). Aufgrund fehlender Meldepflicht in Deutschland hat sich ein nahezu unbemerkter Erregerwandel vollzogen hin zu Infektionen durch zoophile Stämme von Trichophyton interdigitale (früher Trichophyton mentagrophytes) sowie neuerdings auch zu Trichophyton species von Arthroderma benhamiae.

Bei letzterem Dermatophyten handelt es sich um die anamorphe Spezies der teleomorphen Art Arthroderma benhamiae, die ursprünglich in Fernost (Japan) beschrieben worden ist. Infektionsquelle für diese Hautpilze sind kleine Nagetiere (insbesondere Meerschweinchen), die von den Eltern der im Nachhinein von der Infektion betroffenen Kinder mit bester Absicht als Haustier in Zoohandlungen gekauft werden, ohne dass ihnen klar ist, dass damit gleichzeitig auch ein relevanter Infektionserreger erworben werden kann.

Weitere Dermatophyten, an die aktuell zu denken ist, sind Trichophyton verrucosum – der Erreger der Kälberflechte – sowie Trichophyton erinacei nach Igelkontakt. Nicht zu vergessen sind jedoch auch Hefepilze, vor allem Malassezia pachydermatis, der vom Hund auf den Menschen übertragen werden kann.

Cryptococcus neoformans hat sein Erregerreservoir ebenfalls im Tier, konkret im Vogelkot, neben Infektionen der Lunge und des zentralen Nervensystems sind sekundäre, selten primäre kutane Kryptokokkosen bei meist immunsupprimierten Patienten (HIV/Aids) eine mögliche Folge des Kontaktes mit diesen Ausscheidungen.

Diagnose- Therapie - Prävention

Aus dieser umfangreichen Darstellung möglicher Hautpilzinfektionen ist ersichtlich, dass der schuldige Erreger weder zwingend im Schulgebäude noch auf der Katze zu suchen ist. Viel mehr gibt es ein sehr umfangreiches Repertoir an Übertragungswegen, die nicht zuletzt auch durch bloßen Hautkontakt von Mensch zu Mensch fortgeführt werden können.

Wenn Sie befürchten, dass Ihr Haustier Überträger einer Pilzerkrankung sein könnte, können wir für Sie die geeigneten Untersuchungen durchführen, um diesen Verdacht zu bestätigen oder zu entkräften. Im Infektionsfalle können wir geeignete Behandlungsmaßnahmen einleiten, den den Pilz und seine Sporen zu eliminieren und auch durch geeignete Impfungen einer Pilzinfektion bei Hund, Katze und Pferd vorzubeugen.

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