Sie gehen in der freien Landschaft oder im Wald spazieren, sehen ein vermeintlich hilfsbedürftiges Wildtier und wollen – um ihm zu helfen – es zur Pflege mitnehmen.
Aber ist das wirklich gut für das Tier und dürfen Sie ein Wildtier einfach mitnehmen?

Eine Veröffentlichung der Landestierschutzbeauftragten Dr. Madeleine Martin in Zusammenarbeit mit der Hess. Tierärztekammer sowieder Jagd- und Naturschutzbehörde gibt Auskunft.

Wildtiere – also Tiere, die nicht in menschlicher Obhut leben – sind herrenlos. Sie gehören niemandem. Alle unterliegen dem Tierschutzrecht, je nach Art aber auch anderen Bestimmungen wie zum Beispiel dem Jagd- und / oder Naturschutzrecht. 

Grundsätzlich darf man

„...vorbehaltlich jagdrechtlicher Vorschriften...,  verletzte,  hilflose  oder  kranke  Tiere  aufnehmen, um sie gesund zu pflegen. Die Tiere sind unverzüglich freizulassen, sobald sie sich selbständig erhalten können.“ (§ 45 (5) Bundesnaturschutzgesetz)
Unter das Jagdrecht fallen beispielsweise Füchse, Rehund Schwarzwild (Wildschweine), Feldhasen, Waschbären, Dachse, Marder, Nutrias und Wildkaninchen, aber auch Wildenten und –gänse sowie fast alle Greifvögel und Falken.

Wenn Sie verletzte, tote oder verwaiste Wildtiere an sich nehmen, die dem Jagdrecht unterliegen, müssen Sie dies unverzüglich dem zuständigen Jäger oder der örtlichen Polizeidienststelle melden, ansonsten machen Sie sich der Wilderei strafbar. Derjenige, der das Tier der Natur entnimmt, ist zu der Meldung  verpflichtet,  nicht  etwa  ein  behandelnder  Tierarzt oder eine Stelle, bei der das Tier abgegeben wird.

 

Was kann man tun, was sollte man besser lassen?

Vor allem anderen steht die grundsätzliche Frage, ist es für ein Wildtier besser, es aufzunehmen und ihm zu helfen oder belässt man es besser in der Natur. Verletzungen, Krankheiten, natürliche Auslese sowie der Tod gehören zum natürlichen Kreislauf! Der Impuls von  Menschen, hier einzugreifen, ist zwar aus ethischer Sicht nachvollziehbar, auf lange Sicht aber oft nicht zum Besten der Tiere und des Ökosystems. Es bedeutet zudem nicht selten den Beginn eines langen Leidensweges des Wildtieres in menschlicher Obhut.
Wildtiere sind nicht an Menschen, geschlossene Räume oder Gehege gewöhnt. Sie sind nicht zahm. Enger Kontakt zu Menschen, intensive Behandlung und gut gemeinte Pflege bedeuten für sie Dauerstress!

Auf jeden Fall müssen Sie wissen, dass von dem Moment an, in dem Sie sich das Tier „aneignen“, Sie die volle Verantwortung und Haftung übernehmen und für anfallende Kosten aufzukommen haben.

Nicht jedes Tier braucht Hilfe - wenn aber doch, dann die richtige!!! und so können Sie sich die Detailsinformationen zu aufgefundenen Vögel, Füchen/Fuchswelpen, jungen Feldhasen und Rehkitzen, Wildschweinen, Wildkaninchen und Igeln hier als PDF-Datei (LINK) herunterladen

Weiterhin gibt die Broschüre von Frau Dr. Martin Auskunft, was bei Verkehrsunfällen mit Wildtieren zu tun ist, welche Gefahren durch die Aufnahme kranker Tiere bestehen können und enthält Telefonnummern und Adressen von Ansprechpartnern.

 

Hände weg von Junghasen und Rehkitzen!

Sowohl Rehkitze als auch junge Feldhasen verweilen oft in einer bewegungslosen am Boden gedrückten Haltung, während das Muttertier auf Nahrungssuche unterwegs ist.
Vom Menschen berührt, werden sie vom Muttertier nicht mehr angenommen; eine Aufzucht in Menschenhand gelingt nur äußerst selten.

 

Zusätzliche Informationen