Seit 2015 ist eine Ausbreitung der Hämorrhagischen Kaninchenkrankheit, vor allem ausgelöst durch das Rabbit Haemorrhagic Disease Virus 2 (RHDV-2), auf das gesamte Bundesgebiet zu beobachten. Das Friedrich-Loeffler-Institut führt daher Untersuchungen auf Caliciviren (Rabbit Haemorrhagic Disease Virus (RHDV), RHDV-2, European brown hare syndrome virus (EBHSV)) durch, um Daten für die Viruscharakterisierung und Abschätzung zur Ausbreitung der Viren zu gewinnen. Hierbei zeigt sich bundesweit eine deutliche Zunahme schwerer, meist tödlicher Infektionen im ersten Halbjahr 2016.

Aus einigen Bundesländern bzw. von bestimmten Untersuchungseinrichtungen werden regelmäßig Proben eingeschickt; andere Regionen sind eher unterrepräsentiert. Eine zentrale Erfassung der RHDV-Befunde wird seit Erlöschen der Meldepflicht bedauerlicher Weise nicht mehr durchgeführt. Dennoch ist davon auszugehen, dass das Infektionsrisiko für unsere Kaninchen flächendeckend stark gestiegen ist. Gründe hierfür sind u.a. der rege bundesweite Austausch durch private Tierabgabe ebenso wie durch den kommerziellen Verkauf der beliebten Heimtiere.

Die derzeit in Deutschland zugelassenen Impfstoffe schützen zwar effizient gegen RHDV aber nur bedingt gegen RHDV-2. Um einen maximalen Impfschutz zu erhalten, ist unbedingt den aktuellen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) zu folgen. Diese sind im Internet verfügbar und empfehlen kurzgefasst eine zweimalige Grundimmunisierung von Kaninchen zum frühestmöglichen Zeitpunkt (nach Herstellerangaben) mit einem der beiden monovalenten Vollantigenimpfstoffe Cunivak RHD oder RIKA-VACC RHD im Abstand von drei Wochen und anschließend regelmäßige Auffrischungsimpfungen im Abstand von sechs Monaten.

Zusätzlich zur Impfung ist auf Maßnahmen des allgemeinen Infektionsschutzes, die einen Eintrag von Viren verhindern sollen, besonderer Wert zu legen: Hygiene, Desinfektion, Kleiderwechsel; wenn möglich Quarantänehaltung bei Zukauf. Im Falle eines RHDV Ausbruchs sind Reinigung, Desinfektion und sichere Beseitigung von potentiell infektiösem Material unerlässlich, um eine Weiterverbreitung einzudämmen. Hierbei ist vor allem die Wahl der richtigen Desinfektionsmittel wichtig: Es ist unbedingt zu beachten, dass Spezialmittel, die gegen unbehüllte Viren wirksam sind, zum Einsatz kommen. (Quelle: FLI Bundesinstitut für Tiergesundheit).

Wir beraten Sie in unserer Praxis gerne zu den Möglichkeiten und der Notwendigkeit eines ausreichenden Impfschutzes. Besonders möchten wir darauf hinweisen, dass Kaninchen, die bisher im 12monatsrhythmus geimpft wurden nun unbedingt alle 6 Monate zur Impfauffrischung erscheinen sollten.

Weitere Informationen:
Stellungnahme RHDV-2 Impfung StIKo Vet am FLI, Stand 30.03.2016
Zum Auftreten von RHDV-2 in Deutschland , aktuelle Herausforderungen in der Diagnostik und Bekämpfung, Stand Okt. 2015


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